25.03.2019

Die Ausstellung „A ist gefallen, B ist verschwunden. Das Vokabularium der sowjetischen Zensur“

Die Besucher werden aufgefordert, in die Ausstellungskästen reinzuschauen, Licht einzuschalten und Vorhänge aufzuziehen, so wird man alles, was seinerzeit verborgen war, zu Gesicht bekommen. So kann man sich an Hand von Dokumenten, Veröffentlichungen der sowjetischen Presse und Ausschnitten aus Filmen und Liedern jener Zeit in die Geschichte der UdSSR vertiefen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Namen von MEMORIAL und FRIEDRICH EBERT STIFTUNG

laden wir Sie ganz herzlich zur Eröffnung der Ausstellung

„ABC der sowjetischen Zensur“

am 05. April 2019 um 18:00 Uhr

in die Räumlichkeiten von Memorial (Moskau, ul. Karetnyy Ryad, 5/10) ein.

 

„A. wurde abgeholt, B. wurde abgeholt, I. wurde abgeholt usw.“

Alexander Galitsch, Buchstabenchaos, 1968

Im Verlaufe von 70 Jahren entwickelte sich in der Sowjetunion ein einzigartiges System der allgegenwärtigen Zensur: Vorgeprüft und oft geändert wurden alle Werke: sowohl hand- als auch maschinengeschriebene Texte, Bilder, Musikwerke und visuelle Kreationen, die im Inland geschaffen und aus dem Ausland eingeführt wurden. Einer solchen Vorprüfung wurden alle Einheiten der Bibliotheksbestände, alle Tonaufzeichnungen, alle zu veröffentlichenden Bücher und Kinofilme unterzogen. Dabei war die sowjetische Totalzensur streng vertraulich: Selbst das Wort „Zensur“ durfte nicht gebraucht werden, jeder Erwähnungsversuch wurde von demselben Zensursystem unterbunden. Eine Grenze zwischen den Aktivitäten der Zensurbehörden und denen der Staatssicherheitsorgane lässt sich sehr schwer ziehen, sie arbeiteten Hand in Hand, wo es um die „Autorenaufsicht“, die Auswahl des Zensurpersonals, die Strafen für die zugelassenen „Fehler“, die „Säuberung“ der Bibliotheken und die Komplettierung der „Sonderbestände“ ging.

Die Ausstellung „A ist gefallen, B ist verschwunden. Das Vokabularium der sowjetischen Zensur“ führt die Grausamkeit und Absurdität der Zensurpraktiken in der UdSSR von den ersten Schritten der Sowjetmacht bis zu ihrem Zusammenbruch vor Augen: in alphabetischer Reihenfolge von A (Arrest des Manuskripts) bis zum letzten Buchstaben im russischen Alphabet Я / JA (das JAUSA-Tonbandgerät und die private Tonbandkultur); vom Anbeginn der sowjetischen Zensur: D (das Dekret des Rates der Volkskommissare über die Presse) und G (die Gründung von GLAWLIT, der allmächtigen Zensurbehörde) bis hin zu I (Isjatie / Beschlagnahme) und K (Kürzungen); von der eifrigen Suche nach konterrevolutionären O (Opetschatki / Druckfehler) bis zur Ächtung des Härtezeichens am Ende des Wortes. Für jeden Buchstaben des russischen Alphabets werden in der Ausstellung Begriffe angeführt, erläutert und mit Beispielen belegt, die die unglaubliche Kleinlichkeit, pathologische Haarspalterei und die kaltblütige Schonungslosigkeit der Sowjetzensur anschaulich machen sowie vom Widerstand der Bürger gegen die staatliche Zensurpolitik zeugen.

Die Besucher werden aufgefordert, in die Ausstellungskästen reinzuschauen, Licht einzuschalten und Vorhänge aufzuziehen, so wird man alles, was seinerzeit verborgen war, zu Gesicht bekommen. So kann man sich an Hand von Dokumenten, Veröffentlichungen der sowjetischen Presse und Ausschnitten aus Filmen und Liedern jener Zeit in die Geschichte der UdSSR vertiefen.

Friedrich-Ebert-Stiftung Russland

Jausski Boulevard 13
Gebäude 3, Büro 14 (4. Etage)
109028 Moskau

+7 (495) 937 53 23
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